Šimon Voseček (*1978)
Gegenlieben (2014)

Der Titel ist Programm, Anspielung und Unfug zugleich.
Vielleicht geht da eine Liebeserklärung schief.
Vielleicht liegt die letzte Liebeserklärung schon Jahrzehnte zurück.
Vielleicht hätte es doch bloß ein One-Night-Stand bleiben sollen.
Beachten Sie die zahlreichen copy-paste Stellen.

Maja Osojnik (*1976)
Pas de deux (2011)

„Das und viel mehr wollte ich dir schon seit langem sagen“
für f-Bassett Blockflöte, Bassklarinette, zwei Kassettenspieler & zwei Megafone
gewidmet dem Ensemble dos à dos

I. En face: „Der letzte Versuch einer Annäherung: in Stille, mit langsamen Handgesten, die Brotkrümel vom Tisch wischen“
II. Je te rends ton Amour: „Mit dir. In einem Glashaus tanzen. Überall, wie Scherben, liegen unsere Worte am Boden.“
III. L’image de la Solitude n’est pas nette: „Am Fenster sitzend und betrachtend; die Welt draussen wird zum Stummfilm.“
IV. Les cygnes tombant: „Wenn ich sterbe, möchte ich in einem Schaukelstuhl sitzen und in die weite Ferne schauen.“

Als Inspiration für diese Komposition dienten einerseits verschiedene Choreografien, Tanzduette der Künstlergruppe „La la humansteps“, anderseits die persönlichen Gedanken der Komponistin über eine verbale und nonverbale Kommunikation in einer Partnerschaft.
Hörbeispiel
(Livemitschnitt Uraufführung 25. 9. 2011 Ruprechtskirche Wien)

Katharina Klement (*1963)
Waldareale (2011)
für Bassblockflöte und Bassklarinette (Auftragskomposition von dos á dos)
Durchstreifen eines Waldareals, vorbeikommen an bestimmten Gegenden, Merkmalen, die dieses Areal ausmachen: Bruchholz, Moos, Fichten-Dickicht, Tümpel, Laubboden, Brombeerhecken,...
Allen diesen Gegenden bzw. Merkmalen liegt eine bestimmte Intervall-Qualität als musikalische Region zugrunde. Diese Intervalle bilden das Gerippe des Stücks, mikrotonale „Verunreinigungen“, Mehrklänge, Umspielungen, Übergänge etc. bilden das Fleisch des klingenden Körpers.
Petra Huth gewidmet
Hörbeispiel
(Livemitschnitt Uraufführung 25. 9. 2011 Ruprechtskirche Wien)

Angélica Castelló (*1972)
„Flor y Cronopio“ (2011)
12 Miniaturen für Klarinetten, Blockflöten, kleine Kisten und Objekte (2 Spieler)
Thomas List und Robert Corazza gewidmet

Blume und Cronopium
Ein Cronopium findet mitten auf weiter Flur eine einsame Blume: Zuerst will es sie pflücken, denkt aber, dass es eine unnötige Grausamkeit sei, kniet neben ihr nieder und spielt fröhlich mit der Blume: liebkost ihre Blütenblätter, haucht sie an, damit sie tanze, brummt wie eine Biene, schnuppert ihren Duft und legt sich endlich unter der Blume zur Ruhe und schlummert ein, von tiefem Frieden umwoben.
Die Blume denkt: „Es ist wie eine Blume“ (Julio Cortázar)

Mit diesem Stück möchte ich die Poesie der Fragilität erforschen und verwende für dieses Werk Atmosphären aus den Erzählungen/Geschichten der Cronopien und Famen von Julio Cortázar.
Die Struktur des Werkes ist von Louise Bourgeois’ Bildern „les Fleurs“ (2009) inspiriert.
„Flor y Cronopio“: eine Feier des Augenblicks, wie sie in unvermuteten Zweiergesprächen sich einstellen kann. (Angélica Castelló, September 2011)

Hans Jürg Meier (*1964)
Presso il passo di cristallina (1993)
Hans Jürg Meier, der Blockflöte bei Conrad Steinmann und Komposition bei Roland Moser in Basel studierte, ist gleichermaßen als Komponist, Schöpfer von Klanginstallationen, Instrumentalist und improvisierender Musiker aktiv. Sein Duo Presso il passo di cristallina schrieb er für die ersten „Tage der zeitgenössischen Blockflötenmusik“ in Basel im Jahr 1993. Die Komposition zeichnet sich durch große Sparsamkeit der Mittel und eine geradezu alchimistische Dichte der Konstruktion aus. „Dem Stück ging das reale Erlebnis der überraschenden Stille kurz vor der Passhöhe des Passo di cristallina voraus” (H. J. Meier).
Hörbeispiel
(Livemitschnitt 25. 9. 2011 Ruprechtskirche Wien)

Giacinto Scelsi (1905-1988)
Ko Lho I (1966)
„Der Klang ist kugelförmig, doch beim Hören erscheint es uns, als ob er nur zwei Dimensionen besitze: die Höhe und die Dauer -  von der dritten, der Tiefe, wissen wir, daß sie existiert, doch in gewisser Weise entgleitet sie uns ...“. Unabhängig von den ästhetischen Diskussionen der 50er Jahre, die sich vor allem am seriellen Denken orientierten, entwickelte Scelsi seine Vorstellungen von einer Musik, die gänzlich auf das Innere des Tons, seine Tiefendimension und sein ihm innewohnendes Bewegungspotential gerichtet ist. Die klangfarblichen, dynamischen und melodischen Schwankungen sowie die harmonischen Verbreiterungen und Verengungen in den musikalischen „Landschaften” Scelsis (Hans Zender) wollen gehört werden als die sich im Zeitverlauf entfaltende innere Energie der Klänge. Die in diesem Konzert gespielte Version von Ko Lho ist eine Übertragung der Komposition Scelsis für Querflöte und Klarinette.
Hörbeispiel
(Livemitschnitt 25. 9. 2011 Ruprechtskirche Wien)

Vinko Globokar (*1934)
Dos à Dos (1988)
pour deux „souffleurs“
Deux souffleurs? Oui, pour deux instruments – trompette(s), trombone(s), saxophone(s), clarinette(s) ... identiques ou divers, bien sûr.
„Cela me fait penser à un duel“, disait le troisième.
„Es erinnert mich an ein Duell, sagte der Dritte.“ (Vinko Globokar)